Shaykh Ibrahim Niass hat sowohl in seinen Briefen als auch in seinen Büchern ausführlich über maʿrifa, tarbiyya und suluk geschrieben.
Zu den bekanntesten Ausführungen gehören die Abschnitte in Kashif al-Ilbas, in denen er diesen beiden zentralen Dimensionen der Tariqa Tijaniyya ganze Kapitel widmete.
Zu jener Zeit war der Widerstand gegen seinen Ansatz in Fragen des suluk und der tarbiyya weit verbreitet, und es war daher angemessen, den Kritikern mit prägnanten Widerlegungen zu antworten.
Bedauerlicherweise sind fünfzig Jahre nach seinem Tod neue Kritiker aufgetreten, deren Ansichten zunehmend Verbreitung finden – aufgrund von Unwissenheit und vielleicht auch aufgrund eines Mangels an qualifizierten Stellvertretern des Bringers der Flut.
Dennoch sind wir noch weit von dem Zustand entfernt, den Shaykh al-Zarruq beschrieben hat:
«„Die spirituelle Erziehung ist zum Erliegen gekommen. Alles, was bleibt, ist, dem Qur’an und der Sunna zu folgen.“»
Shaykh Ibrahim hat diese Angelegenheit sehr deutlich dargelegt. Im dritten Brief von Jawahir al-Rasa’il schreibt er:
«„Es ist bekannt, dass es zwei gibt, die weder in irgendeiner Hinsicht zu mir noch zur Tariqa gehören: der Entzückte (majdhub), der den Weg nicht beschreitet, und der Salik, der nicht entzückt worden ist – sofern sie in ihrem Zustand verbleiben und auf ihrem Weg beharren.“»
إثنين ليسا مني ولا من الطريق في شيء، مجذوب لم يسلك وسالك لم يجذب إن بقيا على حالها ووقفا على سيرهما،
Er erläutert die vier möglichen Zustände des Schülers der Tariqa Tijaniyya:
«„Wisse, dass die Leute der Tariqa in vier Kategorien eingeteilt sind:
Der Salik, der nicht entrückt ist und dessen Beschreitung des Weges seine Anziehung überwogen hat; er ist äußerlich und formal.
Der Entzückte, der nicht den Weg beschreitet und dessen Anziehung seine Beschreitung des Weges überwogen hat; er ist abgeschnitten.
Der Salik, der entzückt wird und dessen Beschreitung des Weges ihn zur Station der Anziehung geführt hat; er kann zu den Gnostikern gehören, sofern jemand ihn an die Hand nimmt.
Und der Entzückte, der den Weg beschreitet und dessen Anziehung mit seiner Beschreitung des Weges zusammentrifft; er stellt die Mehrheit der Gefährten des Siegels al-Tijani dar, und sie sind die herausragenden unter ihnen.
Und es bleibt eine fünfte Kategorie, für die es keinen Anteil an der Tariqa gibt: jene, die weder den Weg beschreiten noch entzückt sind. Wir suchen Zuflucht bei Allah. Selbst wenn sie die Tariqa annehmen, macht ihre Annahme sie nicht zu Tijanis. Vielleicht wird Allah sich ihrer erbarmen, wenn ihnen die Liebe zu unserem Meister, dem Shaykh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gewährt wird.“»
أَعْلَمْ أَنَّ أَهْلَ الطَّرِيقَةِ عَلَى أَرْبَعَةِ أَقْسَامٍ :
سَالِكٌ غَيْرُ مَجْذُوبٍ، غَلَبَ سُلُوتُهُ عَلَى جَذْبِهِ، وَهُوَ ظَاهِرِيٌّ رَسْمِيٌّ ،
وَمَجْذُوبٌ غَيْرُ سَالِكٍ، غَلَبَ جَذْبُهُ عَلَى سُلُوكِهِ، فَهُوَ أَبْتَرُ،
وَسَالِكَ مَجْذُوبٌ ، أَدَّى سُلُوكُهُ إِلَى مَقَامِ الْجَذْبِ، فَهُوَ وَأَصْلٌ يَكُونُ مِنَ الْعَارِفِينَ إِنْ وُجِدَ مَنْ يَأْخُذُ بِيَدِهِ،
وَمَجْذُوبٌ سَالِكٌ تَقَارَنَ جَذْبُهُ مَعَ سُلُوكِهِ، وَهُوَ غَالِبُ أَصْحَابِ الْخَتْمِ التِّجَانِيِّ، وَهُمُ الْأَكَابِرُ.
وَبَقِيَ صِنْفٌ خَامِسٌ لَا نَاقَةَ لَهُمْ فِي الطَّرِيقَةِ وَلَا جَمَلٌ، وَهُمْ مَنْ لَا سُلُوكَ لَهُمْ وَلَا جَذْبَ ، نَعُوذُ بِاللَّهِ، فَهُمْ وَإِنْ أَخَذُوا الطَّرِيقَةَ فَأَخْذَةٌ لَا تِجَانِيُّونَ، عَسَى اللَّهُ أَنْ يَرْحَمَهُمْ إِنْ رُزِقُوا مَحَبَّةَ سَيِّدِنَا الشَّيْخِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ .
Was nun das Beschreiten des Weges in der göttlichen Anziehung betrifft, so ist es eben das eigentliche Beschreiten des Weges. Wenn der Gnostiker Allahs mit Allah in den Stationen verweilt, auf die wir hingewiesen haben, und er nicht stirbt, so erwacht er oder kehrt in die Welt des Gleichnishaften, zur Wahrnehmung der Wirkungen und in die Welt der Bilder zurück.
Dann nimmt er die beiden Ansprachen wahr: die Ansprache Seines, des Erhabenen, Willens und die Ansprache Seiner Weisheit. Auf sie wies Er, der Erhabene, mit Seinen Worten hin: „Und ihr wollt nicht, es sei denn, dass Allah will, der Herr der Welten.“
So beschreitet er einen Weg, auf dem er sein Handeln gemäß den Implikationen beider Ansprachen miteinander verbindet.
Äußerlich hält er sich daher an die Gesetze des Islam; diese bilden die Implikation der Ansprache der Weisheit in der Welt des al-nasut.
Innerlich hingegen besitzt er weder Bewegung noch Stillstand noch irgendeine Handlung; und dies ist die Implikation der Ansprache des göttlichen Willens, durch iman, Gewissheit und irfan.
Auf diese Weise erfüllt er die Gebote Allahs: von Allah, durch Allah und für Allah.
Keine Bewegung und kein Stillstand verbleiben ihm, außer dass er darin durch den Befehl Allahs, für Allah und durch Allah steht.
Seine Handlungen werden daher allesamt zu verpflichtenden Pflichten und Obliegenheiten, sei es hinsichtlich der Rechte Allahs oder der Anteile der Seele.
فَأَمَّا السُّلُوكُ فِي الْجَذْبِ فَهُوَ عَيْنُ السُّلُوكِ الْمُتَقَدِّمِ الذِّكْرِ، لَا بِمَعْنَى وَاحِدٍ، فَإِنَّ الْعَارِفَ بِاللَّهِ إِذَا وَقَفَ مَعَ اللَّهِ الْوَقَفَاتِ الَّتِي أَشَرْنَا إِلَيْهَا، إِنْ لَمْ يَمُتْ يَصْحُو أَوْ يَرْجِعُ إِلَى عَالَمِ الْمَجَازِ وَمُشَاهَدَةِ الْآثَارِ وَعَالَمِ الْمِثَالِ، فَيَرَى الْخِطَابَيْنِ : خِطَابَ مَشِيئَتِهِ تَعَالَى، وَخِطَابَ حِكْمَتِهِ، أَشَارَ إِلَيْهِمَا : قَوْلُهُ تَعَالَى : ﴿وَمَا تَشَاءُونَ إِلَّا أَنْ يَشَاءَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ ، فَيَسْلُكُ طَرِيقًا يَجْمَعُ فِيهَا بَيْنَ الْقِيَامِ بِمُقْتَضَى الْخِطَابَيْنِ ، لَيْسَ جَبْرِيًّا مَحْضًا وَلَا قَدَرِيًّا مَحْضًا، فَيَقُومُ بِظَاهِرِهِ بِشَرَائِعِ الْإِسْلَامِ وَهِيَ مُقْتَضَى خِطَابِ الْحِكْمَةِ فِي عَالَمِ النَّاسُوتِ، وَهُوَ بِبَاطِنِهِ لَا حَرَكَةَ لَهُ وَلَا سُكُونَ ، وَلَا عَمَلَ ، وَهُوَ مُقْتَضَى خِطَابِ الْمَشِيئَةِ إِيمَانًا وَإِيقَانًا وَعِرْفَانًا، فَيَمْتَثِلُ أَوَامِرَ اللَّهِ مِنَ اللَّهِ ، بِاللَّهِ، لِلَّهِ ، لَا تَبْقَى لَهُ حَرَكَةٌ وَلَا سُكُونَ إِلَّا وَهُوَ قَائِمٌ فِيهَا بِأَمْرِ اللَّهِ ، لِلَّهِ ، بِاللَّهِ ، فَتَصِيرُ أَعْمَالُهُ فُرُوضًا وَاجِبَاتٍ كُلُّهَا، سَوَاءٌ فِي ذَلِكَ الْحُقُوقُ الْإِلَهِيَّةُ وَالْحُظُوطُ النَّفْسَانِيَّةُ.
